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29. Mai 2026 · Tipps & Praxis
Biometrischer Reisepass Chip: Was steckt drin? RFID, ICAO und eGate erklÀrt
Jeder moderne Reisepass enthÀlt einen unsichtbaren RFID-Chip. Dieser Artikel erklÀrt, was darin gespeichert ist, wie das Passfoto digital gespeichert wird, welche Sicherheitsmechanismen greifen und warum das beim eGate-Durchgang relevant ist.
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Was ist der biometrische Chip?
Der biometrische Reisepass (auch e-Passport oder ePass) enthĂ€lt einen RFID-Chip (Radio Frequency Identification), der ĂŒber die NFC-Schnittstelle (13,56 MHz) mit LesegerĂ€ten kommuniziert. Das kleine Chip-Symbol auf dem Passdeckel zeigt seine Anwesenheit an.
Der Chip speichert keine neuen Informationen, die nicht ohnehin im Pass stehen â er macht sie jedoch maschinenlesbar und fĂ€lschungssicher.
ICAO Doc 9303: Der internationale Standard
Die Struktur des Chips ist weltweit durch ICAO Doc 9303 (International Civil Aviation Organization, Document 9303) geregelt. Dieser Standard definiert:
- Die Datengruppen (DG), in denen Informationen gespeichert werden
- Das Dateiformat fĂŒr Fotos und FingerabdrĂŒcke
- Die Sicherheitsprotokolle fĂŒr den Zugriff
Die wichtigsten Datengruppen
| Datengruppe | Inhalt | |---|---| | DG1 | Maschinenlesbare Zone (MRZ): Name, Geburtsdatum, Passnummer, NationalitĂ€t, Ablaufdatum | | DG2 | Gesichtsbild (JPEG2000, mindestens 300Ă360 Pixel, max. 20 KB) | | DG3 | FingerabdrĂŒcke (optional, nur in PĂ€ssen mit EAC) | | DG7 | Unterschriftsbild (optional) | | DG14 | Ăffentliche SchlĂŒssel fĂŒr EAC | | DG15 | Ăffentlicher SchlĂŒssel fĂŒr Active Authentication |
Wie das Gesichtsbild gespeichert wird
Das Passfoto wird im Chip als komprimiertes Bild hinterlegt:
- Format: JPEG2000
- Mindestauflösung: 300Ă360 Pixel (empfohlen: 400Ă480 Pixel oder mehr)
- Maximale DateigröĂe: 20 KB (in manchen Implementierungen bis 50 KB)
- Farbmodus: sRGB
- Kopfausrichtung: frontal, gemÀà ICAO-Biometrie-Standard
Das ist der Grund, warum die QualitĂ€t des ursprĂŒnglichen Passfotos so wichtig ist: Das im Chip gespeicherte Bild wird direkt fĂŒr die automatisierte Gesichtserkennung an eGates verwendet.
EinfĂŒhrungszeitlinie biometrischer PĂ€sse
| Land | EinfĂŒhrung biometrischer Reisepass | |---|---| | Deutschland | November 2005 | | EU allgemein (obligatorisch) | Ab August 2006 | | Vereinigtes Königreich | 2006 | | USA | 2007 | | Schweiz | 2006 | | Ăsterreich | 2006 |
eGate: Wie der Chip bei der Grenzkontrolle genutzt wird
An automatisierten GrenzĂŒbergĂ€ngen (eGates) â in Deutschland bekannt als EasyPASS â lĂ€uft folgender Prozess ab:
- Das LesegerÀt erfasst optisch die MRZ (Maschinenlesbare Zone)
- Mit den MRZ-Daten wird der Chip entsperrt (Basic Access Control)
- Das gespeicherte Gesichtsbild (DG2) wird aus dem Chip ausgelesen
- Eine Kamera nimmt das aktuelle Gesicht der Person auf
- Das gespeicherte Bild und das aktuelle Gesicht werden verglichen
- Bei ausreichender Ăbereinstimmung öffnet sich die Schranke
Dieses System wird in der EU, UK, USA, Australien und vielen anderen LĂ€ndern eingesetzt. EU-BĂŒrger können EasyPASS an deutschen FlughĂ€fen nutzen; ab dem geplanten EU-EES (Entry/Exit System) wird das Gesichtsbild auch fĂŒr Nicht-EU-BĂŒrger beim Einlass genutzt.
Sicherheitsmerkmale des Chips
Basic Access Control (BAC)
BAC verhindert, dass LesegerĂ€te ohne ZugangsschlĂŒssel auf den Chip zugreifen können. Der SchlĂŒssel wird aus dem optisch ausgelesenen MRZ-Code des Reisepasses berechnet. Ein LesegerĂ€t muss den Pass also zuerst optisch scannen, bevor es den Chip ansprechen darf.
Passive Authentication (PA)
Der Chip enthĂ€lt eine digitale Signatur (SOD, Document Security Object), die von der ausstellenden Behörde erstellt wurde. LesegerĂ€te können prĂŒfen, ob die Daten auf dem Chip authentisch und unverĂ€ndert sind.
Extended Access Control (EAC)
EAC schĂŒtzt die FingerabdrĂŒcke (DG3). Nur LesegerĂ€te mit einem gĂŒltigen Zertifikat der jeweiligen Landesbehörde können auf Fingerabdruckdaten zugreifen â normale LesegerĂ€te können diesen Datenbereich nicht entschlĂŒsseln.
Deutschland setzt zusĂ€tzlich auf BSI-Zertifizierung: Das Bundesamt fĂŒr Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) stellt zusĂ€tzliche Anforderungen an die Chipimplementierung im deutschen Reisepass und Personalausweis (BSI TR-03110). FĂŒr die Passbildaufnahme gilt in Deutschland seit Mai 2025 die BSI PointID-Pflicht.
HĂ€ufige Mythen ĂŒber den Reisepass-Chip
Mythos: "Der Chip kann aus der Ferne gelesen werden." Falsch. Der NFC-Chip kommuniziert nur auf sehr kurze Distanz (typisch unter 10 cm) und erfordert auĂerdem den MRZ-SchlĂŒssel fĂŒr den Datenzugriff. Ohne optischen Scan des Reisepasses ist ein Auslesen praktisch nicht möglich.
Mythos: "Der Chip speichert meinen Aufenthaltsort und meine Reiseroute." Falsch. Der Chip ist nur ein Datenspeicher â er hat keine Sendefunktion und zeichnet keine Informationen auf. EintrĂ€ge ĂŒber Ein- und Ausreisen werden nicht im Chip, sondern in Grenzdatenbanken gespeichert.
Mythos: "Ich kann den Chip mit Folie blockieren." Nur teilweise richtig. RFID-SchutzhĂŒllen können das Auslesen erschweren, aber wer den Pass fĂŒr eGates oder Grenzkontrollen nutzen will, muss den Chip zugĂ€nglich machen.
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HĂ€ufige Fragen
Was ist im Chip des biometrischen Reisepasses gespeichert?
Der RFID-Chip enthĂ€lt biographische Daten (DG1: MRZ), ein digitales Gesichtsbild im JPEG2000-Format (DG2) und â bei neueren EU-PĂ€ssen â zwei FingerabdrĂŒcke (DG3), die durch EAC besonders gesichert sind.
Was ist ICAO Doc 9303 und was hat es mit dem Chip zu tun?
ICAO Doc 9303 ist der internationale Standard fĂŒr maschinenlesbare Reisedokumente. Er definiert die Datengruppen im Chip, das Fotoformat (JPEG2000) und die Sicherheitsprotokolle (BAC, PA, EAC).
Kann der Chip aus der Ferne ausgelesen werden?
Nein â nicht im Alltag. Der NFC-Chip kommuniziert nur auf sehr kurze Distanz und ist durch Basic Access Control geschĂŒtzt: LesegerĂ€te benötigen zuerst den optischen MRZ-Scan, bevor der Chip Daten preisgibt.
Wie hilft der Chip beim eGate?
Das eGate-LesegerĂ€t entsperrt den Chip ĂŒber MRZ, ruft das gespeicherte Gesichtsbild ab und vergleicht es per Gesichtserkennung mit dem aktuellen Gesicht. Ein hochwertiges Passfoto verbessert die Erkennungsrate.
Seit wann gibt es biometrische ReisepÀsse?
Deutschland fĂŒhrte den biometrischen Reisepass im November 2005 ein. Die EU machte ihn ab August 2006 fĂŒr alle Mitgliedsstaaten obligatorisch. USA und UK folgten 2006/2007.
Was ist der Unterschied zwischen BAC und EAC?
BAC schĂŒtzt alle Chip-Daten: LesegerĂ€te brauchen den MRZ-Code. EAC schĂŒtzt zusĂ€tzlich die FingerabdrĂŒcke (DG3): Nur autorisierte Behörden mit gĂŒltigem Zertifikat können auf diese Daten zugreifen.
Angaben ohne GewÀhr. Technische Implementierungen können je nach Ausstellungsland variieren. Zuletzt aktualisiert: Mai 2026.